Bestimmung des Verwendungszwecks eines StreichinstrumentsAuf die eine oder andere Weise klassifizieren wir Violinen nach ihrem Verwendungszweck. In erster Linie würde ich sie in zwei große Kategorien einteilen: Solo- oder Orchesterviolinen.
Die Aufgabe einer Solovioline in der klassischen Musiktradition ist es, die Solostimme gegenüber dem Orchester deutlich hervorzuheben. Eine solche Geige muss eine brillante Stimme, große Klangkraft, hervorragende Dynamik, ein reiches Timbre und eine extrem hohe Tragfähigkeit besitzen.
Die Aufgabe einer Orchestervioline ist es, sich gleichmäßig und harmonisch in den Gesamtklang einzufügen, ohne solistisch herauszustechen. Diese Aufgabe ist nicht weniger anspruchsvoll, daher mindert die Bezeichnung „Orchestergeige“ den Wert des Instruments keineswegs. Vielmehr ist es ein funktionales Merkmal bei der optimalen Besetzung eines Orchesters.
Oft werden Streichinstrumente in Geschäften als professionell, Studenteninstrumente oder Schülerinstrumente klassifiziert. Angesichts der Realitäten einer ernsthaften musikalischen Ausbildung halte ich dies oft für einen reinen Verkaufstrick. Als „Schülergeigen“ werden oft Instrumente bezeichnet, die für ein kurzes und ruhmloses Leben bestimmt sind. Sie eignen sich vielleicht für den allgemeinen Musikunterricht an Regelschulen, aber für einen professionellen Weg benötigt der Musiker von Anfang an ein Instrument, das hohen akustischen Anforderungen entspricht.
Die Bezeichnung „Studentengeige“ führt oft in die Irre, besonders wenn sich dahinter der historische Begriff Konservatorium Violine verbirgt. Man sollte wissen, dass ein „Konservatorium“ historisch gesehen oft eine einfache Musikschule bedeutete. Die Aufschrift KONSERVATORIUM VIOLIN auf alten deutschen Manufakturgeigen ist also kein Zeichen für elitäre Meisterarbeit, sondern ein direkter Hinweis darauf, dass es sich um eine gewöhnliche SCHÜLERGEIGE aus der Massenproduktion handelt.